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Christian Gerlach: Bericht über mein erstes Jahr in Vilnius

Christian Gerlach

11. Dezember 2024

Im letzten Jahr kam ich im Herbst in Vilnius an, um Medizin zu studieren. Die ersten Tage waren geprägt von einer Mischung aus Aufregung und Unsicherheit. Die neue Umgebung, die unbekannten Straßen und die Frage, wie die Kultur hier wohl sein würde, beschäftigten mich sehr. Ich fühlte mich wie ein kleiner Fisch in einem großen, unbekannten Teich.

Doch schnell fand ich meinen Rhythmus und begann, mich in der Stadt wohlzufühlen. Es war eine Erleichterung, dass ich rasch Kontakt zu anderen internationalen Studierenden knüpfen konnte. Wir kamen aus verschiedenen Teilen der Welt, und diese Vielfalt schuf sofort eine Verbindung. Unsere gemeinsamen Erlebnisse und das Teilen von Herausforderungen im Studium schweißen uns zusammen.

Allerdings stellte ich fest, dass es unter den Litauern deutlich schwieriger ist, Kontakte zu knüpfen. Oftmals hatte ich den Eindruck, dass sie sehr verschlossen sind. Das Lachen ist selten, und Gespräche kommen nicht leicht in Gang. Es war manchmal frustrierend, da ich mir wünschte, mehr über ihre Kultur und ihre Geschichten zu erfahren. Ob das an der Sprachbarriere oder an anderen Gründen liegt, bleibt unklar, und ich wollte auch nicht zu aufdringlich nachfragen.

Trotz dieser Herausforderungen gab es viele positive Aspekte, die mir halfen, mich schneller einzuleben. Die Litauer sind in ihrer Höflichkeit bemerkenswert. Es ist beruhigend zu erleben, dass Menschen sich gegenseitig unterstützen und immer bereit sind, einander zu helfen, auch wenn das Gespräch oft nicht über das Nötigste hinausgeht. Diese kleinen Freundlichkeiten machen den Alltag angenehmer und lassen mich wissen, dass man in einer Gemeinschaft ist.

Vilnius selbst hat mich mit seiner beeindruckenden Schönheit verzaubert. Die Stadt ist grün und lebendig, mit zahlreichen Parks, die zum Verweilen einladen. Es gibt etwas Beruhigendes, durch die schattigen Alleen zu spazieren und die frische Luft zu genießen. Ich habe eine kleine Freude entdeckt, die versteckten Ecken der Stadt zu erkunden, von charmanten Cafés bis hin zu kleinen Kunstgalerien, die mich inspirieren und natürlich die schiere Menge an verschiedenen Pubs.

Insgesamt bin ich dankbar für die Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte. Vilnius ist nicht nur eine Stadt, in der ich studiere, sondern ein Ort, der mir viel über mich selbst und andere Kulturen beigebracht hat. Es ist eine aufregende Reise, die erst am Anfang steht, und ich freue mich darauf, noch viele weitere Facetten dieser faszinierenden Stadt zu entdecken.