Tanguy Pavat
11. Dezember 2024
Vor einigen Monaten, im Juni und Juli, war ich bereits in Vilnius, um ein Praktikum zu absolvieren. Dieses Praktikum war obligatorisch und ich hatte beschlossen, es in Vilnius zu absolvieren, um die Stadt vor meinem Erasmus Jahr kennenlernen zu können. Und am 6. Juli hatte ich das Glück, an einem absolut außergewöhnlichen Ereignis teilzunehmen. Denn wie Sie sicherlich wissen, war Anfang Juli in Litauen „Dainų šventė“, ein Fest, das alle vier Jahre stattfindet. Aber dieses Jahr war besonders, weil es das 100-jährige Jubiläum der Gründung dieser Veranstaltung war. Und ich fühle mich so glücklich, dass ich dabei sein durfte. Während „Dainų šventė“ ziehen nämlich tausende Tänzer und Sänger durch die Straßen von Vilnius bis zum Vingis-Park, um alle zusammen inmitten der Natur des Parks zu tanzen und zu singen. Ich wusste nicht, was mich erwartete, als ich dorthin ging, aber ich war so aufgeregt, die Leute waren alle glücklich, dass sie marschierten, alle grüßten einander, es war toll. Ich war noch glücklicher, als ein Junge, den ich ein paar Tage zuvor in meinem Wohnheim kennengelernt hatte, mich während der Parade sah und erkannte, auf mich zukam, um mich zu begrüßen und dieses Foto zu machen.

Auf der Gediminas-Straße: Tanguy Pavat und Vakaris Ragauskas, der für die amerikanisch-litauische Delegation marschiert. Foto: Aus dem eigenen Archiv
Als Franzose nach Vilnius zu kommen und so etwas erleben zu können, ist unvorstellbar. Als um 20 Uhr alle mitten im Vingis-Park die Nationalhymne sangen, war das ein wirklich zeitloser Moment.
Roter Teppich am Palast des Präsidenten
Zu diesem/dem Zeitpunkt wohnte ich in der Nähe von Stotis und mein Arbeitsplatz befand sich in Odminių gatvė, also ganz in der Nähe der Kathedrale von Vilnius. Jeden Tag ging ich auf dem Weg zu und von meinem Praktikum durch die Universitätsstraße, also am Palast des Präsidenten vorbei. Und oft fanden dort Militärparaden, Proben oder viele andere Dinge statt. Aber am 12. Juli war es nicht einfach nur eine Probe. Ich war nämlich auf dem Weg nach Hause und stieß auf diesen Platz mit dem roten Teppich, Dutzenden von Stühlen und Menschen in traditioneller Kleidung. Ich hatte ein paar Tage zuvor davon gehört, dass es sich um die Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Präsident Gitanas Nausėda handelte. Ich hatte nichts zu tun, also dachte ich mir, dass ich bleiben würde, da ich an einem Zaun klebte und einen guten Platz hatte. Ich wartete etwa 20 Minuten, es war sehr heiß, ich schaute auf den Palast und dann drehten sich die Leute um mich herum plötzlich um. Ich verstand nicht, was passiert, deshalb war ich ziemlich besorgt. Ich drehte mich um und sah den Präsidenten mit seiner Frau mitten auf der Straße gehen, ohne besonderen Schutz. Ich konnte es nicht glauben, in Frankreich ist eine ähnliche Situation fast unmöglich. Sie gingen zu den Absperrungen, an denen ich stand, und warteten mehrere Minuten, während ich nur fünf Meter von ihnen entfernt war.
Das war ein sehr besonderer Moment. Als der Präsident und seine Frau dann nach vorne gingen, um sich zu setzen, gingen „normale“ Menschen wie ich nach vorne und setzten sich ebenfalls, also dachte ich mir „one life“, ich gehe auch hin. Ich konnte also auf einem Stuhl sitzen, nur wenige Meter vom Präsidenten entfernt, und das bei einer offiziellen litauischen Zeremonie, obwohl ich Franzose bin.
Es war kurz, aber es war wiederum ein ganz besonderer Moment, ich fühlte mich wirklich glücklich, diese Erfahrung machen zu können, und alles war spontan, was die ganze Sache für mich noch unvergesslicher machte.

Präsidentenpalast während der Amtseinführungszeremonie des litauischen Präsidenten Gitanas Nausėda. Foto: Tanguy Pavat