Glosse
Mariola Krukovska
13. Dezember 2024
Vilnius, wie ein Hollywood-Star, erlebt gerade seine große Renaissance: Es gewinnt internationale Popularität, glänzt auf jedem Instagram-Profil und die weltweiten Medien können sich nicht davon lösen. Aber das ist noch nicht alles – Vilnius bekommt seine Chance, im vollen Glanz zu erstrahlen. Der Titel „Europäische Weihnachtshauptstadt 2025“ gehört nun zu Vilnius! Die Stadt platzt vor Stolz, Touristen stürmen herbei, und was sagen die Einheimischen?
Ohne Zweifel ist Vilnius ein märchenhaftes Geschenk – schon am Bahnhof trifft man den Weihnachtsmann, der bereit ist, deine Wünsche zu hören, und die Weihnachtsfrau, die dir zeigt, wie man Lebkuchen bäckt. Auf dem Rathausplatz kannst du Schlittschuh laufen, und in der ganzen Stadt findest du wunderschöne Christbaumkugeln. Die schönste ist die auf dem Kathedralplatz, in deren Innerem ein lebendiger Weihnachtsbaum steht.
Doch leider können nicht alle dieses Geschenk genießen. Die Einwohner, anstatt die festliche Dekoration zu bewundern, schauen auf ihre Rechnungen, denn der Titel „Europäische Weihnachtshauptstad“ kostet allein für den Weihnachtsbaum 118,7 Tausend Euro. Leider freuen sich die Einwohner nicht über das, was sich um sie herum befindet – die Preise auf dem Weihnachtsmarkt, zum Beispiel, für spurgytės entsprechen etwa 3 Stunden Arbeit bei dem aktuellen Mindestlohn. Wie der berühmte Slogan der Agentur GoVilnius klingt: „Vilnius: Fantastisch, wo immer Sie denken, dass es ist.“ Vielleicht liegt dann Vilnius ja doch im hohen Norden? Zumindest bei den Preisen!
Die Frage bleibt: Wer bekommt wirklich dieses Weihnachtsgeschenk denn? Die Reisenden oder die Einheimischen?